Aktuell:
Wer war Bernd Ryke?

Bernd Ryke stammte aus einer bedeutenden Berliner Ratsfamilie, die mehrfach den Berliner BĂŒrgermeister stellte. In verschiedenen Urkunden aus den Jahren 1443 bis 1445 vom KurfĂŒrsten "unser lieber, getruwer Bernde Ryken" genannt und bis dahin ohne ein stĂ€dtisches Amt, wird er 1447 von den in offenen Aufruhr gegen den Landesherrn begriffenen Geschlechtern zum BĂŒrgermeister in Berlin gewĂ€hlt. Seine Wahl gerade in dieser Zeit liefert den deutlichen Beweis, wie er gegen den KurfĂŒrsten Partei genommen hat, wie er als Haupt der Rebellion zu betrachten ist - und letztlich mit seinem Leben dafĂŒr bezahlen musste.....

Doch wie kam es dazu?
Es begann am 8. Juli 1411, als ein gewisser König Siegmund seinen Finanzier und engsten Ratgeber, den Burggrafen Friedrich VI. von NĂŒrnberg zum KurfĂŒrsten der Mark Brandenburg ernannte. Bald darauf begann der Hohenzoller aus Franken die regionalen Landesherrschaften der Raubritter zu beseitigen. Er brachte ein in der Mark noch unbekanntes BelagerungsgeschĂŒtz mit, genannt "die faule Grete", deren steinernen Kugeln auch die dicksten Burgmauern auf Dauer nicht standhalten konnten und bezwang damit eine Festungsanlage nach der anderen.

Die besiegten Junker, unter denen die Bevölkerung lange gelitten hatte, wurden jedoch weder gehĂ€ngt oder eingesperrt, sondern im Gegenteil von Friedrich dem Ersten, wie er sich jetzt nannte, zu StĂŒtzen seiner Herrschaft gemacht. RĂ€uber und Mörder wurden zu Oberaufsehern, Polizeichefs und Richtern, behielten ihre angemaßte Macht und genossen zudem Steuerfreiheit, wenn die dem Markgrafen Friedrich bedingungslose Treue schworen. Dieser erhoffte sich dadurch tatkrĂ€ftige UnterstĂŒtzung bei der Unterwerfung der mĂ€rkischen StĂ€dte, denen er nach und nach alle alten Rechte und Freiheiten abzunehmen gedachte, um sie dann selbst umso grĂŒndlicher ausbeuten zu können.

1442 waren schließlich auch Cölln und Berlin an der Reihe, die als die Widerspenstigsten galten. Sie hatten sich 1432 politisch vereinigt und gehörten dem Kampfbund der HansestĂ€dte gegen FĂŒrstengewalt an.
Friedrich I. hatte sich bereits wieder in seine zivilisierte FrĂ€nkische Heimat zurĂŒckgezogen und die Herrschaft in der Mark seinem Ältesten, Friedrich II. ĂŒbertragen. Dieser nutzte die in Folge der Vereinigung Berlin und Cölln aufgetretenen Spannungen innerhalb der großbĂŒrgerlichen Selbstverwaltung als Vorwand, die Doppelstadt am 29. August 1442 mit 600 bewaffneten Reitern zu besetzen. Er erklĂ€rte die Vereinigung fĂŒr aufgehoben und verbot selbststĂ€ndige Ratswahlen, die Bildung von BĂŒndnissen mit anderen StĂ€dten und zwang die BĂŒrger zu geloben: "(...) niemals mehr etwas wider unsere gnĂ€digen Herren, ihre Erben und Nachkommen, die Markgrafen von Brandenburg, zu unternehmen, sondern in ewige Zeiten (...) willige, untertĂ€nige und gehorsame BĂŒrger und Untergebene zu sein und bleiben.“ Kaum war allerdings der Hohenzoller mit der Mehrzahl seiner Bewaffneten abgezogen, da erklĂ€rten die BĂŒrger von Berlin und Cölln die erpresste Aufgabe ihrer Freiheiten fĂŒr ungĂŒltig und verjagten die kurfĂŒrstliche Besatzung. Dem verdutzten KurfĂŒrsten wurde das Spandower Tor vor der Nase zugesperrt, woraufhin dieser den Entschluss gefasst haben soll, zwischen den beiden StĂ€dten eine beherrschende Burg bauen zu lassen und seine Residenz von Brandenburg nach Berlin/Cölln zu verlegen. Friedrich II. erzwang den Verkauf der GrundstĂŒcke, auf denen sich die Berliner Niederlassung der Äbte von Lehnin, ein Wohnhaus und eine Badeanstalt sowie das Anwesen des Berliner BĂŒrgermeisters Bernd Ryke befanden. Auch Teile der Stadtbefestigung fielen, wodurch der freie Zutritt des KurfĂŒrsten zur Stadt gesichert und diese ihres Schutzes beraubt war.

Gleich nach der Grundsteinlegung 1443 zerstörten aufgebrachte BĂŒrger den Bauplatz des Landesherrn. Die allzu feierliche Grundsteinlegung und das stolze Benehmen der westlichen GĂ€ste fĂŒhrte die zerstrittenen stĂ€dtischen Gruppierungen wieder zusammen. Kaum jemand ließ sich von den Verlockungen des KurfĂŒrsten, er hĂ€tte doch nur ihr Bestes im Sinn, wenn er an der Spree eine prĂ€chtige Residenz errichte ließe, beirren. Der Beginn der Bauarbeiten wurde mehrfach verhindert, indem immer wieder GerĂŒste umgerissen und bereits fertige Mauern abgetragen wurden.

1447 provozierte Friedrich II. die BĂŒrgerschaft zur Aufruhr ("Berliner Unwille"), als er versuchte, große Teile des bĂŒrgerlichen Grundbesitzes zu annullieren und an sich zu bringen. Die StĂ€dte widersetzen sich den Anordnungen und vertrieben die kurfĂŒrstlichen AmtstrĂ€ger. Die kurfĂŒrstliche Kanzlei wurde aufgebrochen und ein großer Teil der Urkunden und AmtsbĂŒcher zerstört, zerstreut oder entwendet. Auch das Rathaus nahm man wieder in eigene Regie.

Besonders der fortschreitende Bau des Schlosses stellte fĂŒr viele BĂŒrger eine unertrĂ€gliche Provokation dar. Im Januar 1448 besetzte man die Baustelle, vertrieb die fremden Bauleute und versuchte soviel wie möglich des begonnenen Rohbaues zu zerstören. Die AufstĂ€ndischen öffneten schließlich die Arche - ein Stauwehr im Stadtgraben in Höhe der heutigen SchleusenbrĂŒcke - und fluteten dadurch den Bauplatz um die Grundmauern zu unterspĂŒlen. SpĂ€ter zog man sich hinter die Stadtmauern zurĂŒck.

Der KurfĂŒrst war wegen seines laufenden Krieges gegen Pommern zu einem grĂ¶ĂŸeren Truppeneinsatz zunĂ€chst nicht in der Lage. Er lud stattdessen den Rat und die BĂŒrger vor das Hofgericht nach Spandau. Die Einwohner von Berlin und Cölln widersetzten sich jedoch. Sie inhaftierten den kurfĂŒrstlichen Boten und beantworteten weitere Schreiben nicht. Sie planten sogar einen bewaffneten Aufstand und wandten sich an die anderen mĂ€rkischen StĂ€dte und an die Hanse, der Berlin in der Hoffnung auf UnterstĂŒtzung beigetreten war, um Hilfe. Diese blieb jedoch aus, Berlin und Cölln standen in ihrem Kampf gegen die Vorherrschaft des Landesherren allein. Friedrich hatte es verstanden, durch Drohungen und Versprechen die anderen StĂ€dte von ihren Beistandsverpflichtungen abzuhalten. Im Mai 1448 brach der Aufstand unter wachsendem militĂ€rischen Druck zusammen.

Schließlich bestĂ€tigte das landstĂ€ndische Gericht, das vom KurfĂŒrsten in Spandau zusammen gerufen worden war, die erzwungenen Abmachungen von 1442. In Anwesenheit des gesamten brandenburgischen Adels mussten sich Berlin/Cölln dem Landesherrn offiziell unterwerfen. Dennoch zwangen die Geschehnisse den selbstherrlichen KurfĂŒrsten zum Vergleich, er musste auf weitere BeschrĂ€nkungen der StĂ€dtefreiheit und die völlige Aufhebung des StĂ€dtebĂŒndnisses Berlin/Cöllns verzichten. Doch insgesamt 300 BĂŒrger der Doppelstadt wurden zu hohen Geldstrafen, GefĂ€ngnis, Verbannung verurteilt und auch mit dem Tode bestraft. Bernd Ryke, die Seele des Aufstandes, verlor alle seine LehngĂŒter. So war der Wohlstand der Familie vernichtet. Bernd Ryke verließ Berlin und suchte beim Herzog von Sachsen Hilfe. Dort wurde Bernd Ryke von kurfĂŒrstlichen Rittern ermordet.

Bernhard Gwosdz, LehramtsanwÀrter 2003

   
© Bernd-Ryke-Grundschule 2011
Don't have an account yet? Register Now!

Sign in to your account

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklÀren Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
DatenschutzerklÀrung Ok